Durchstanzbewehrungen
Definition
Durchstanzbewehrungen werden im Stahlbetonbau eingesetzt und verhindern, dass eine Betonplatte lokal durchstanzt – typischerweise dort, wo eine Stütze auf eine Decke trifft.
Wenn eine schwere Last von oben auf eine kleine Fläche wirkt (z. B. eine Stütze), kann die Decke an dieser Stelle „durchgedrückt“ werden – ähnlich wie ein Bleistift durch ein Blatt Papier. Dieses Versagen nennt man Durchstanzen. Die Durchstanzbewehrung sorgt dafür, dass die Kräfte besser verteilt werden, grössere Lasten von der Decke in die Stütze abgeleitet werden können und die Decke nicht plötzlich versagt.
Eigenschaften
Durchstanzbewehrungen nehmen die entstehenden Schubkräfte auf und erhöhen die Tragfähigkeit der Platte.
- Tragfähig: Erhöhen des Durchstanzwiderstands von Flachdecken und ableiten von grossen Querkräften sicher in die Stützen
- Normenkonform: Bemessung nach SIA 262 möglich, umfangreich experimentell getestet
- Wirtschaftlich: Optimierte Systeme ermöglichen material- und kosteneffiziente Lösungen
- Schneller Einbau: Vorgefertigte, einbaufertige Produkte sparen Zeit auf der Baustelle
- Baustellentauglich: Elemente erleichtern das Verlegen und die Kontrolle
- Systemflexibel: Kombination mit anderen Produkten möglich (z. B. Stahlpilzen)
Formen und Anwendungen
Auf dem Markt gibt es verschiedene Systeme mit ganz unterschiedlichen Formen.
Aber es gibt zwei Hauptsysteme, welche sich in der Baubranche durchgesetzt haben – Bewehrungskörbe und Dübelleisten.
Bei den Bewehrungskörben handelt es sich um vorgefertigte Körbe aus Baustahl (typischerweise B500B), die aus vertikalen Bügeln und horizontalen Haltestäben bestehen. Ein Bewehrungskorb ist typischerweise quadratisch in der Grundfläche und die Bügel verlaufen in einer bestimmten Teilung von der 1. bis zur 4. Lage der normalen Bewehrung. Die 2. und 3. Lage werden in den Abbiegungen des Korbs verlegt.
Die Dübelleiste ist, wie der Name bereits andeutet, eine Leiste mit Dübeln darauf. Die Leiste ist entweder ein flaches Stahlband, 2 dünne Eisen oder auch ein dickes Blech. Bei den Dübeln handelt es sich um Bewehrungsstäbe mit Ankerköpfen, die auf die Leisten geschweisst werden.
Der untere Ankerkopf muss unter der 1. Lage, der Obere über der 4. Lage liegen. Länge, Durchmesser, Anzahl und Abstand der Dübel können je nach Situation variieren. Die Dübelleisten werden sternförmig um die Stütze oder um den Stahlpilz über der Stütze herum angeordnet. Sie können entweder zu Beginn mit den korrekten Distanzhaltern auf die Schalung montiert oder nach dem Bewehren der Decke von oben durchgesteckt werden.
Normen und Toleranzen
Die Durchstanzbewehrungssysteme in der Schweiz entsprechen den relevanten Normen im Stahlbetonbau und gewährleisten eine sichere sowie normgerechte Ausführung. Die Bemessung und Anwendung erfolgt nach SIA 262, welche die Grundlage für den Stahlbetonbau in der Schweiz bildet. Die Systeme sind geprüft und verfügen über definierte Tragfähigkeitswerte, wodurch die erforderliche Durchstanzsicherheit nachgewiesen werden kann.
Durch die industrielle Vorfertigung wird eine hohe Massgenauigkeit erreicht, was die Einhaltung der geometrischen Toleranzen auf der Baustelle erleichtert und Fehlerquellen reduziert. Gleichzeitig sorgt die Betondeckung für Schutz vor Korrosion und eine lange Lebensdauer. Ergänzend sorgen Qualitätskontrollen im Werk und während des Einbaus für eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität.