Sichtbeton trifft Querkraftübertragung – Speziallösungen für den Neubau Spital Grabs
Das Spital Grabs ist ein modernes Akutspital, das sowohl stationär als auch ambulant eine erweiterte Grundversorgung sowie zahlreiche spezialisierte Leistungen anbietet. Mit einem 24-Stunden-Notfalldienst gewährleistet es eine wohnortnahe und nachhaltige Gesundheitsversorgung auf dem Qualitätsniveau eines Zentrumsspitals.
Ein Grossteil der Infrastruktur des Spitals Grabs hat den aktuellen betrieblichen Anforderungen nicht mehr genügt, weshalb die Entscheidung für eine Gesamterneuerung nahe lag. 2009 ging das Projekt des Architekturbüros Beat Consoni AG, St. Gallen, als Sieger eines selektives Projektwettbewerbs hervor.
Der Neubau von Haus S und Haus O mit einer Grundfläche von ca. 50 x 180 m ist in Stahlbetonskelett-Bauweise mit zwei Untergeschossen, dem Erdgeschoss und drei Obergeschossen konzipiert. Mehrere Innenhöfe ermöglichen die Belichtung innenliegender Räume und Bereiche.
Die Umsetzung des Projekts erfolgt in 3 Etappen. Die Bauarbeiten der ersten Etappe begannen im Jahr 2015; die Inbetriebnahme erfolgte im September 2020. Die zweite Etappe von Haus S und Haus O startete mit dem Abbruch des bestehdenden Haus C West im September 2023, wobei die Baumeisterarbeiten bis auf die Umgebungsstützmauern Ende 2026 abgeschlossen werden. Die dritte Etappe, die rund 15 % des gesamten Gebäudevolumens umfasst, ist für den Zeitraum von 2029 bis 2033 vorgesehen.
Die Flachdecken ruhen auf einem regelmässigen Stützenraster von 8.10 x 8.10 m. Die horizontale Aussteifung wird mittels durchgehenden Lift- und Treppenhauskernen, welche in den Untergeschossen eingespannt sind, sichergestellt.
Die Fassade von Haus S in Sichtbeton gliedert sich in umlaufende, im Endzustand bis zu 140 m lange fugenlose Fassadenbänder, welche in Ortbeton erstellt werden.
Besondere Herausforderungen an das Projekt stellen neben der Umsetzung im laufenden Betrieb auch die hohen Anforderungen an die Erdbebensicherheit dar. Mit der Einführung der aktuellen Norm SIA 261 wurden die Anforderungen an den Erdbebennachweis gegenüber den früheren Regelwerken und der bereits gebauten Etappe 1 erhöht. Dies erforderte eine umfassende statische Konzeption und Bemessung des gesamten Bauwerks, um die erhöhten normativen Anforderungen an die Erdbebensicherheit nachweisen und erfüllen zu können.
Aufgrund der langen Planungs- und Realisierungsphasen wurden fortlaufend Anpassungen erforderlich – sowohl im Hinblick auf die neue Spitalstrategie des Kantons St. Gallen als auch seitens Bauherrschaft, Prozesse und Betrieb. Dazu zählen beispielsweise die Aufstockung der ersten Etappe um zwei Geschosse im Zuge der zweiten Etappe, der Einbau eines neuen Operationssaals sowie die Ergänzung durch Haus O. Zusätzlich mussten durch die Bauarbeiten unter laufendem Betrieb zahlreiche bestehende Gebäude an neue sowie temporäre Nutzungen angepasst werden, was zusätzliche planerische und organisatorische Anforderungen mit sich brachte.
Wenn Architektur, Statik und Ausführung aufeinandertreffen
Mit dem Spitalneubau am Standort Grabs entsteht bis 2033 eines der bedeutendsten Gesundheitsbauprojekte der Ostschweiz. Die neuen Gebäude schaffen Raum für moderne medizinische Infrastruktur und erweitern die bestehenden Spitalanlagen nachhaltig.
Das Projekt umfasst mehrere Neubauten und Erweiterungen, welche hohe Anforderungen an Planung, Ausführung und Bauqualität stellen.
Für die Ingenieure von Bänziger Partner AG, Buchs (SG) sowie den ausführenden Baumeister Zindel AG aus Maienfeld standen dabei nicht nur Tragfähigkeit und Bauablauf im Fokus. Insbesondere die anspruchsvollen Sichtbetonfassaden verlangten nach technisch durchdachten Anschlusslösungen, welche sowohl statisch als auch gestalterisch überzeugen.
Genau hier kamen unsere Systeme rundum PYRATOP®, PYRABAR® sowie BARTEC TOP und TOP700 zum Einsatz.

gesamte Haus S und sind schwimmend auf Mageba-Lagern gelagert. Dadurch können temperatur- und schwindbedingte Längenänderungen aufgenommen werden. An den Gebäudeecken sind Bewegungen in Längs- und Querrichtung möglich.
Die Sichtbetonfassadenbänder lagern auf Auflagernocken mit speziell angefertigten PYRATOP®-Konsolanschlüssen (PK+ Grabs 1–7). Da das Tragwerk vollständig im Gebäudeinneren angeordnet ist, übernimmt die Sichtbetonfassade keine tragende Funktion.
Foto: Bänziger Partner AG

Sichtbeton als Herausforderung
Sichtbeton gilt im modernen Hochbau als architektonisches Gestaltungselement. Gleichzeitig erhöht er die Anforderungen an die Ausführung erheblich. Nachträgliche Korrekturen sind kaum möglich, Arbeitsfugen müssen exakt geplant werden und die Bewehrungsanschlüsse dürfen weder den Bauablauf behindern noch die Oberflächenqualität beeinträchtigen.
Bei Projekten dieser Grössenordnung sind klassische Anschlusslösungen oft mit erhöhtem Schalungsaufwand, aufgerauten Fugen oder komplexen Bewehrungsführungen verbunden. Dies kann die Ausführungsqualität beeinträchtigen und den Baufortschritt verlangsamen.
Für die Verantwortlichen der Planung fürs Projekt in Grabs war deshalb früh klar: Gesucht wurde eine Lösung, welche einerseits die hohen statischen Anforderungen erfüllt und andererseits ein sauberes Fassadenbild ermöglicht.
Mehrere hundert Laufmeter PYRATOP® im Einsatz
Für zahlreiche Wand- und Deckenanschlüsse wurden mehrere hundert Laufmeter PYRATOP®-Bewehrungsanschlüsse eingesetzt.
Der Vorteil: Die Anschlüsse ermöglichen eine zuverlässige Zug- und Querkraftübertragung über Arbeitsfugen hinweg und vereinfachen gleichzeitig den Bauablauf auf der Baustelle.
Die Systemlösung wird bereits in einem frühen Bauabschnitt eingebaut und kann später ohne aufwendige Nacharbeiten rückgebogen und angeschlossen werden.
Gerade bei Sichtbetonkonstruktionen schafft dies mehr Planungssicherheit. Arbeitsfugen können sauber ausgebildet werden, während gleichzeitig die statischen Anforderungen erfüllt bleiben.
Aus Sicht der Bauausführung bedeutet dies:
- reduzierte Schalungsdurchdringungen
- vereinfachte Bauabläufe
- hohe Ausführungssicherheit
- präzise Anschlussdetails auch bei anspruchsvoller Geometrie
Die Kombination aus technischer Leistungsfähigkeit und einfacher Anwendung macht PYRATOP® besonders für komplexe Hochbauprojekte interessant.



Foto: Bänziger Partner AG
Spezialanfertigungen für besondere Anforderungen
Neben den Standardlösungen wurden für das Haus O rund 150 PYRABAR®-Spezialtypen gefertigt und geliefert.
Spezialtypen kommen immer dann zum Einsatz, wenn projektspezifische Randbedingungen individuelle Lösungen erfordern. Unterschiedliche Bauteildicken, besondere Bewehrungsführungen oder erhöhte Lastanforderungen verlangen nach massgeschneiderten Anschlussdetails.
PYRABAR® verbindet dabei die bewährte PYRAX®-Technologie mit BARTEC®-Schraubverbindungen. Die formschlüssige Fugenausbildung ermöglicht eine hohe Zug- und Querkraftübertragung, ohne dass die Arbeitsfuge zusätzlich aufgeraut werden muss. Dies vereinfacht sowohl die Planung als auch die Ausführung erheblich.
Für die Baustelle bedeutet dies:
- keine Schalungsdurchdringungen
- hohe Einbausicherheit
- saubere Fugenausbildung
- wirtschaftliche Umsetzung auch bei Sonderdetails
BARTEC TOP und TOP700 für hohe Belastungen
Ergänzend kamen BARTEC TOP sowie TOP700 zum Einsatz.
Insbesondere bei anspruchsvollen Tragwerksbereichen ermöglichen Schraubverbindungen eine wirtschaftliche und zugleich sichere Verbindung von Bewehrungsstäben.
Durch die einfache visuelle Kontrolle sowie die montagefreundliche Ausführung eignen sich BARTEC®-Systeme besonders für Projekte mit hohen Qualitätsanforderungen.
Die Kombination aus hochfestem Betonstahl und mechanischen Verbindungen schafft zusätzliche Freiheiten in der Planung und hilft, auch komplexe Knotenpunkte effizient umzusetzen.

Foto: Bänziger Partner AG

Foto: Bänziger Partner AG
Mehr als eine Lieferung
Solche Projekte zeigen eindrücklich, dass moderne Bewehrungstechnik weit über die reine Materiallieferung hinausgeht.
Bereits in frühen Projektphasen werden Anschlussdetails gemeinsam mit Ingenieuren, Planern und Ausführenden analysiert. Ziel ist es, technisch optimale und gleichzeitig wirtschaftliche Lösungen zu entwickeln.
Beim Neubau Spital Grabs entstand so eine Kombination aus Standardprodukten und projektspezifischen Sonderanfertigungen, die den hohen Anforderungen an Tragwerk, Bauablauf und Sichtbetonqualität gerecht wird.
Projekt auf einen Blick
| Objekt | Neubau Spital Grabs |
| Bauherrschaft | Spitalanlagengesellschaft HOCH Health Ostschweiz |
| Ingenieur | Bänziger Partner AG, Buchs SG |
| Architekt | Beat Consoni AG, St. Gallen |
| Baumeister | Zindel AG, Maienfeld |
| Bauzeit | 2015 – 2018 Etappe 1 2024 – 2026 Etappe 2 2029 – 2033 Etappe 3 |
| Produkte | mehrere 100 lfm PYRATOP® rund 150 PYRABAR® Spezialtypen über 3’000 BARTEC TOP – Verbindungen und Endverankerungen TOP700 ca. 130’000kg |
| Besondere Herausforderung | Sichtbetonfassaden und anspruchsvolle Anschlussdetails sowie hohe Anforderungen an die Erdbebensicherheit |
